Die Sache mit der Seife.

Der Läufer an sich duscht oft und gern. Gelegentlich sogar zweimal am Tag. Trotz Wasserverbrauch und anderen Nachteilen für die Umwelt bin ich froh darüber. Dass ich selbst nach dem Lauf duschen kann und vor allem, dass auch andere so nett sind. Sonst würden Läuferstammtische und Lauftreffs bald in säuerlichen Schweißwolken versinken und wer will das schon. Und trotzdem: Wenn ich mir vorstelle, wie viele leere Duschgelflaschen bei mir so jährlich in den Müll segeln – da kommt schon was zusammen. Im Zuge eines heldenhaften Müllvermeidungsprogramms dachte ich also über eine Alternative nach.

Seifenstücke sind so eine Alternative. Es gibt sie wohlduftend und auf rein pflanzlicher Basis, sie sind nicht oder reduziert verpackt, hautfreundlich, ergiebig und nicht einmal teuer. Es ist geradezu irrsinnig, keine Seife zum Duschen zu verwenden. Dachte ich. Und verdanken ganze Horden von Filmstars ihre Schönheit nicht einzig und allein den kleinen glibbrigen Dingern? Ich bin tatsächlich schon so alt, dass ich mich noch an entsprechende Werbung erinnern kann. In meiner Kindheit war es vollkommen normal, Seife zum Waschen zu verwenden. Überall im Bad lagen diese Dinger herum, platzten manchmal auf und wurden unansehnlich. Wenn die Fahrradkette abgesprungen war, und man hatte versucht sie wieder auf den Zahnkranz zu heben, war die Seife später schwarz und erholte sich nur mühsam von der respektlosen Behandlung durch dreckstrotzende Kinderhände. Beim Duschen ist ja aber nun alles anders. Die Seife ist täglich im Einsatz und dreckig wird sie auch nicht. Das müsste doch gehen. So wandert nach vielen Jahren einmal wieder ein duftendes Seifenstück in meinen Einkaufswagen.

Inzwischen ist das gute (Seifen-)stück beinahe aufgebraucht. Es wird aber das einzige seiner Art in meinem Badezimmer bleiben. Die Seife ist als Idee toll. Aber nur als Idee. Vielleicht könnte ich mich noch daran gewöhnen, dass der Schaum dürftiger ausfällt und man sich aus seltsamen Gründen nach einer Seifenwäsche nicht so sauber fühlt, denn das scheint wirklich eher Einbildung zu sein. Und ich könnte auch darüber hinweg sehen, dass das dumme Ding eine Einzäunung braucht, damit es nicht überall herumflutscht – ohne Seifenschale geht nichts. Aber woran ich mich nie gewöhnen werde ist, dass die Dusche hinterher stumpf und blind aussieht. Die Seife legt sich wie ein Film auf Armaturen und Email und erhöht Putzzeit, Putzaufwand und Putzmitteleinsatz. Vor allem letzteres lässt mich dann wieder am Umweltnutzen zweifeln. Ich kenne mich nicht aus mit Tensiden und all diesen Dingen, ich habe keine Ahnung, warum sich die Seife so hartnäckig auf alles legt, was mit ihr in Berührung kommt. Aber ich weiß, dass sie mich anfängt, zu nerven. Ich werde wieder auf Duschgel umsteigen. Vielleicht finde ich ein gutes mit Nachfüllpackung, die weniger Abfall bedeutet. Wenn es die damals schon gegeben hätte – vielleicht hätte Marlene Dietrich sie ja auch gekauft.

Titelbild: © Marco Mayer – Fotolia.com

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