N wie “Nanosilber”.

Socken sind dazu da, damit man keine kalten Füße bekommt und die Schuhe nicht scheuern. Wenn sie schmutzig werden oder miefig, wäscht man sie. Das ist herrlich banal, aber man muss es nochmal hinschreiben. Als Hintergrund dafür, dass es seit geraumer Zeit Socken gibt, die eine “antibakterielle Ausstattung” haben. Vielleicht, damit die arme Socke sich keine Krankheiten einfängt? “Ganz falsch!” belehren mich die Produkttexte zu antibakteriellen Socken, es geht darum, dass die Socke keinen Geruch entwickelt. Und dass der Fußpilz nur ein ganz kleiner Champignon werden kann statt ein gemeiner Ritterling. Ob das wirklich gelingt, ist ungewiss. Denn dort, wo man sich Füße Funghi fängt, trägt man in der Regel keine Socken. Aber egal, es klingt nach einer Verheißung.

Dass die Sportsocke müffelt, merkt man möglicherweise, wenn man die Schuhe auszieht, wenige Minuten später entledigt man sich allerdings auch der Socken, da man nach getaner Sportarbeit duscht. Ich kenne niemanden, dessen Fußgeruch in fünf Minuten das Eigenheim derart kontaminiert, dass nur noch ein Auszug helfen kann. Die einzigen, die wirklich intensiver mit dem Müffeln konfrontiert werden, sind die vierbeinigen Mitbewohner, die mit der Nase näher am Boden sind – und die finden den Geruch eher interessant. Diese kleine Schleife drehe ich deshalb, um noch einmal kurz inne zu halten, bevor ich zum Nanosilber komme und zu der Frage: Wozu, um alles in der Welt brauchen wir antibakterielle Socken?

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Noch vor einigen Jahren war Triclosan als antibakterieller Zusatz der letzte Schrei, ein umweltgiftiger Stoff, der in Verdacht steht, Muskeln zu schwächen. Das Thema “restistente Keime” sei hier ebenfalls erwähnt. Obwohl immer noch im Einsatz, ist Triclosan nun nicht mehr hipp. Ersetzt wurde es durch die Nanotechnologie: Winzige Silberpartikel, sogenanntes Nanosilber, wirkt antibakteriell. Die Bildung von Resistenzen scheint hier eine geringere Gefahr zu sein – und ist Silber nicht etwas ganz Natürliches? Betrachtet man Silber als Element und nicht als Schmuckstück, ist es ein Zellgift. Stellt man sich ein solches als Nanoteilchen vor, fallen einem doch so einige Fragen ein: Können sich diese Teilchen lösen und die Haut durchdringen? Lassen sie sich teilweise herauswaschen und geraten so ins Abwasser? Können sie aus Kläranlagen gefiltert werden? Wohin geraten sie dann? Sind sie umweltschädlich? Ich bin keine Wissenschaftlerin und kann diese Fragen nicht aus eigener Kraft beantworten. Doch während der Recherche zum Thema bin ich auf beunruhigende Fakten gestoßen, so zum Beispiel, dass die Nanosilberpartikel “auf gesunder Haut” völlig unschädlich seien. Doch gerade Marathonfüße können leicht einmal stellenweise wund gescheuert sein. Was passiert, wenn toxische Silberionen eine Stunde lang an einer Wunde entlangschaben?

Es gibt eindeutige Meinungen dazu: Das Bundesinstitut für Riskoforschung rät vom Gebrauch von Nanosilber in Gegenständen des täglichen Bedarfs ab. Der BUND warnt in einer ausführlichen Studie vor dem massenhaften Einsatz von Nanosilber. In der Zusammenfassung heißt es:

“Der weitgehend unreglementierte und massenhafte Einsatz von Nanosilber ohne hinreichende Risikobewertung ist auch im Hinblick auf gesundheitliche Auswirkungen nicht verantwortbar. Nanosilber verhält sich im Körper völlig anders als grobpartikuläres Silber. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass ernste gesundheitliche Konsequenzen, wie zum Beispiel Lungen- und Leberschäden, mit der Aufnahme von Nanosilber verbunden sein können. Es zeigt in Zellkulturen mit Lungen-, Leber und Nervenzellen toxische Wirkungen.”

Das Fazit einer Studie des Umweltbundesamts beginnt mit dem schönen Satz:

“Die Risikoabschätzung für Silberverbindungen ist mit Unsicherheiten behaftet.”

Auch in populären Publikationen wie der Apotheken Umschau oder der Stiftung Warentest  ist die Diskussion um das Nanosilber angekommen, ebenso wie in Beiträgen der ARD. Fazit: Die Wirkung ist nicht ausreichend erforscht – im Zweifelsfall gilt “Finger weg”. Der jüngste Beitrag stammt vom Deutschlandradio, hier warnt eine Expertin vor der Anreicherung von Nanosilber im Klärschlamm – der auf Felder aufgebracht wird.

Kommen wir also noch einmal zurück zu der Sache mit den Socken. Die man bei Bedarf einfach waschen kann. Ist uns das bisschen Geruchshemmung wirklich ein gesundheitliches Risiko und ein Umweltdisaster wert? Ob in unserer Funktionskleidung Nanopartikel verwendet wurden, wissen wir meist nicht – es muss nicht angegeben werden. Oft wird allerdings offensiv damit geworben. Immer, wenn von antibakterieller Ausstattung, von “sanitized” die Rede ist, könnten wir hellhörig werden. Transparenz kommt wie immer erst langsam in Gang: Eine Kennzeichnungspflicht für Nanopartikel in Kosmetika gilt EU weit ab Juli 2013, ab Januar 2014 auch für Lebensmittel (!). Wer nicht warten will, bis die Regelung auch für Textilien kommt, kann beim Aufbau der Nanodatenbank des BUND mithelfen. Auch das ausführliche Special zum Thema Nanotechnologie ist sehr empfehlenswert.

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