T wie “Thermisches Recycling”.

Heap of colorful clothes

Auf der Homepage des Sportbekleidungsherstellers Skinfit fand ich den Begriff der „Thermischen Verwertung“ – hier so eingesetzt, als würden Textilien des Unternehmens besonders umweltschonend wiederverwertet. Ich will an dieser Stelle überhaupt nicht darüber urteilen, wie umweltfreundlich Skinfit ist, dazu weiß ich viel zu wenig. Aber der Begriff ist an dieser Stelle so bemerkenswert, dass ich ihn ins Lexikon aufnehmen will.

Ich greife mal ganz kurz in die müffelnde Tiefe der Gesetzgebung zum Müll. Das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz sieht nämlich eine fünfstufige Abfallhierarchie vor.

Klare Sache: die Abfallhierarchie

Hinter dem Begriff der Verwertung steht in der Regel die „energetische“ Verwertung, schön gefärbt auch „thermisches Recycling“ genannt. Damit gemeint ist: das Zeug wird verbrannt. Moderne Abfallverbrennungsanlagen sind in der Lage, die beim Verbrennen entstehende Energie aufzunehmen und zu verwerten, Müllheizkraftwerke sorgen etwa für Strom und/oder Fernwärme. Es ist zwar schön, dass auch der verbrennende Abfall noch zu etwas gut ist, aber wie man in der Hierarchie sehr gut sehen kann, ist diese Art des „Recyclings“ ziemlich weit unten angesiedelt. Danach kommt nur noch die Beseitigung, etwa die Deponierung von gefährlichen Abfällen und Schutt. Da Haus- und Restmüll seit 2005 nicht mehr auf Deponien gelagert werden darf, ist das „thermische Recycling“, die „energetische Verwertung“ oder wie auch immer man das Verbrennen von Abfall nennen will, am unteren Ende der Hierarchie angelangt, damit also ein wenig ambitioniertes Ziel und bestimmt keiner Rede Wert, wenn man über seine eigene Ökobilanz als Unternehmen reden will. Für Kunststoffe, die aus endlichen Erdölressourcen hergestellt werden, gibt es inzwischen weit bessere Möglichkeiten, die im Übrigen auch gesetzlich dringend empfohlen werden. Siehe oben. Der Begriff ist also ein wunderbares Beispiel für Politikersprech: Klingt toll, sagt aber nichts. Jemand der umweltfreundlich einkaufen will, kann sich damit bestenfalls veralbert fühlen.

 Titelbild: © GoodMood Photo – Fotolia.com

2 Kommentare

  1. Ein guter Hinweis!

    Da „Vermeidung“ ganz oben steht: Das ist etwas, das wir alle als Verbraucher am besten unterstützen können, indem wir

    – langlebige Produkte kaufen,
    – diese solange benutzen wie es geht oder zumindest weiterverkaufen und
    – nichts kaufen, was wir nicht unbedingt brauchen.

    Was man beim ersten Punkt evtl. mehr ausgeben muss, spart man bei Beachtung der anderen beiden Punkte locker wieder ein. Das gilt nicht nur für Laufsachen, sondern auch für Computer, Küchenmaschinen, Möbel, Autos, …

  2. Pingback: Abfallvermeidung für Fernseher und Holzpaletten – Trend Gedanken

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