Laufen im Smog – was lernen wir aus dem Peking Marathon 2014?

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Der Peking Marathon 2014 versank im Smog. Die Gesundheitsgefahr wurde ignoriert – so war es schon in der Vergangenheit und es gilt auch für die Zukunft. Es wäre Zeit für einen Protest.

Haile Gebrselassie ist ein Weichei. Viele haben es gedacht, manche sogar gesagt. Bei den Olympischen Spielen 2008 sagte der an Asthma erkrankte Äthiopier seine Teilnahme am Marathon in Peking ab. Die Begründung: „Die Luftverschmutzung ist ein Problem für meine Gesundheit.“ ICO Präsident Rogge und die Umweltbehörde in Peking widersprachen heftig. Man habe alle erdenklichen Maßnahmen ergriffen, um saubere Luft zu garantieren. Bei den TV-Übertragungen konnten wir die Sportler problemlos sehen, also kann das Problem ja nicht so groß gewesen sein. Ein Schlaffi, dieser Haile.

Sechs Jahre ist das nun her. Schon damals waren die Kohlekraftwerke „sauber“ , wie der Sprecher der Umweltbehörde beteuerte. Die U-Bahn Kilometer haben sich verdoppelt, im Jahr 2014 sollten drei mal so viel abgasärmere Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein wie damals, die Neuzulassungen wurden insgesamt beschränkt. Fünf Millionen Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß sollen aus dem Verkehr gezogen werden.

Schenkt man den Behörden Glauben, dürfte es ein Phänomen wie Smog in Peking nicht mehr geben. Die Bilder vom Peking Marathon am heutigen Sonntag zeigen etwas anderes. Noch am Samstag hatte der Veranstalter einen leichten oder moderaten Smog vorhergesagt. Eine wohlfeile Warnung. Auf dem Dach der US-Botschaft wurden 344 Mikrogramm Feinstaubbelastung pro Kubikmeter gemessen. Die WHO legt die Grenze zur gesundheitsgefährdenden Belastung bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter fest. Zahlreiche der 30.000 Teilnehmer starteten mit Atemschutzmasken, der Veranstalter gab Schwämme aus, damit sich die Läufer den Dreck aus dem Gesicht wischen können. Die Zahl der Aussteiger ist nicht bekannt, aber etliche Läufer gaben auf. 46% der Teilnehmer kamen von außerhalb und aus dem Ausland, eine Verschiebung des Marathons kam für die Organisation nicht in Frage.

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Der Vorfall bringt einige unschöne Dinge zu Tage.

  • Der Veranstalter, gefangen in ökonomischen Zwängen, ist nicht bereit, für die Gesundheit der Läufer Sorge zu tragen
  • Hobbyläufer (Profis ohnehin) sind geneigt, Versprechungen zu glauben und Gesundheitsgefahren zu ignorieren
  • Die Smog-Gefahr in Peking und anderen asiatischen Metropolen ist trotz intensiver Bemühungen noch immer beträchtlich

Wir, in unseren deutschen Umweltzonen sitzend, verschließen gern die Augen davor, dass Luftverschmutzung kein lokales Problem ist, sondern globale Auswirkungen hat. Wenn Läufer und Verbände Smog ignorieren, werden Sportler gefährdet und der Druck auf Verantwortliche bleibt aus. Umwelt besteht nicht nur aus Blümchen und Bienchen, die uns beim Laufen ein nettes Panorama bieten. Sie besteht auch nicht nur aus den natürlichen Lebensmitteln, die wir essen. Umwelt ist alles, was uns umgibt, was wir durch atmen in uns aufnehmen und wir können NICHT wählen, was das ist. Unsere Luft ist das Essentiellste, was wir zum Leben brauchen und ihre Qualität können wir nicht ernst genug nehmen, zumal, wenn wir als Läufer reichlich davon in unseren Körper pumpen. Wir sollten uns niemals an ein Bild gewöhnen, auf dem Läufer mit Atemschutz laufen.

Peking Marathon Smog 2

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Im kommenden Jahr werden im August die Leichtathletik Weltmeisterschaften in Peking stattfinden. Nach diesem Marathon heute wäre eine gute Gelegenheit, dem IAAF zu sagen: Habt ihr sie eigentlich noch alle am Sträußchen? Ist euch die Gesundheit der Sportler überhaupt nichts mehr wert? Man würde sich wünschen, Hunderte Sportler würden es Haile Gebrselassie gleich tun und „Ohne mich!“ sagen. Sie würden sich organisieren und protestieren. Damit auch im Sportuniversum einmal auffällt, dass die Welt nicht heil ist.

Weiterführende Links:

Bericht der BBC vom Peking Marathon mit beängstigenden Bildern

Bericht der taz

Fotos bei npr (USA)

 

3 Kommentare

  1. Beänstigend ist vor allem die Berichterstattung. Ich habe den Eindruck, einer schreibt vom anderen ab. Selber habe ich an dem Lauf teilgenommen. Es war mein 71. Marathon und selten habe ich mich so gut gefühlt wie bei diesem Lauf. Duschen waren im Ziel nicht vorhanden, wie international üblich. Nach dem Lauf habe ich mich noch mindestens 3 Stunden im Zielgebiet aufgehalten. Ich habe keinen (!) Läufer gesehen, dem es schlecht ging. Als ich dann im Hotel ankam, hat mich meine Frau sofort erkannt und ich hatte mein Gesicht nicht von dem ach so dicken Ruß befreit.
    Und übrigens: In China tragen viele Menschen grundsätzlich Masken. Das ist in Japan ähnlich und auch im Tibet, wo wir anschließend noch waren. Oder ist die Luft da auch schon verpestet?

    • Sicher kannst Du die Dinge besser beurteilen, da Du vor Ort warst. Dass Du Dich gut gefühlt hast, ändert aber nichts an der Tatsache, dass das Problem besteht. Mag sein, dass Du keinen einzigen Läufer gesehen hast, dem es schlecht ging, ich sehe hier welche: https://www.youtube.com/watch?v=E3EipummHjk Und das ist auch kein Photoshop-Bild, die Luft die man dort sehen kann, ist kein Fake. Und das finde ich nicht lustig.

  2. Smog ist halt nicht so giftig wie Zyanid. Wohl eher vergleichbar mit Zigarettenqualm.
    Jeder kenne wohl Leute, die gelegentlich (oder auch recht viel) rauchen. Den meisten davon gehts gut. Jahrelang. Denen es nicht gut geht, sieht man halt sehr wenig….
    Niemand wird aber behaupten, dass Rauchen nicht gesundheitsschädlich ist.

    In Asien und auch in großen europäischen Städten sieht man Menschen mit Masken.
    Wenn es saubere Luft gibt, kann es durchaus andere Gründe (als Smog) dafür geben.

    Kurz: Nur weil es Erwin nach dem Lauf gut ging, oder weil Menschen auch im Tibetischen Hochland Masken tragen, ist Smog trotzdem keine gefahrlose Sache…. besonders wenn man sportliche Höchstleistungen darin verbringt.

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