P wie “Plastikbecher”.

Plastikbecher und ihre Ökobilanz

Es ist ein wunderbarer Luxus: Bei einem Lauf bekommt man unterwegs ein Getränk gereicht. Dabei muss man sich um nichts kümmern, man lässt den Becher nach Gebrauch einfach unter sich fallen wie ein Hottentotte. Andere klauben das Geschirr wieder aus dem Gebüsch oder von der Straße. Im eigenen Garten oder auf dem heimischen Perserteppich wäre diese Art Trinkvergnügen deutlich geschmälert. Es ist einfach großartig. Aber nicht ohne Haken.

Einwegbecher sind potentieller Abfall. Viele Einwegbecher sind viel Abfall. Ein Trinkbecher muss einige Anforderungen erfüllen, zum Beispiel soll er sich gut zusammendrücken lassen, damit man im Laufschritt daraus trinken kann. Mit Mehrwegbechern ist das schwierig. Auch die Kosten von Mehrwegbechern sind gegenüber den Wegwerfbechern deutlich höher. Aber bevor wir beginnen, ein wenig depressiv vor uns hinzustarren angesichts dieser Dilemmata, sollten wir vielleicht erst einmal herausbekommen, wie die Ökobilanz der einzelnen Becher aussieht. Die viel versprechendste, weil unabhängige Studie dazu scheint mir diese Deutsch-Österreichisch-Schweizerische aus dem Jahr 2008 zu sein. Sie ist sehr ausführlich, aber man kann einiges doch in Kürze zusammenfassen.

1. Mehrwegbecher, ganz gleich welche, schneiden in der Ökobilanz besser ab, als Einwegbecher. Ja, trotz spülen.

2. Unter den Einwegbechern sind Pappbecher Plastikbechern vorzuziehen.

3. Kompostierbare Becher sind nicht zu bevorzugen. Sie bringen keine Vorteile.

4. Recycelbare Becher, die sogenannten Belland-Becher, die beispielsweise schon beim Rhein-Energie Marathon in Bonn zum Einsatz kamen, sind nicht grundsätzlich besser, da hier erst nachgewiesen werden muss, dass der Kreislauf funktioniert. Auch bedeutet Recycling von Kunststoff immer ein Downcycling, das heißt, das Material wird schlechter.

Wer es genauer wissen will, sollte die Studie lesen, sie ist wirklich sehr aufschlussreich.

Für den Einsatz von Mehrwegbechern bei Großveranstaltungen gibt es sicher Hürden. Zum einen finanzieller Natur, außerdem die Sicherheit auf der Strecke betreffend. Feste und stabile Becher können zum Hindernis werden. Und doch: so abwegig wie es klingt, ist es offensichtlich nicht. Vor allem nicht bei kleineren Läufen. Der Lipizzanerheimatlauf in der Steiermark stellt sich alljährlich jeder Umweltherausforderung, von Abfall bis Stromverbrauch. Für eine Gesamtteilnehmerzahl von über 1.000 Teilnehmern gibt der Veranstalter Mehrwegbecher an der Strecke aus. Beim österreichischen Wettbewerb “Sportlich zur Nachhaltigkeit” wurde der Lauf wegen seiner konsequenten Bemühungen ausgezeichnet. Irgendwie geht es also. Manchmal auch mit kreativer Hilfe. Um die Kosten für Festveranstalter niedrig zu halten, die Mehrwegbecher einsetzen wollen, hat sich die Stadt Wien etwas einfallen lassen: sie verleiht Becher und subventioniert die Reinigungskosten. Durch solche Konzepte könnten sich auch Sportvereine Mehrwegbecher leisten. Oder warum sollten sich nicht auch mehrere Vereine zum Kauf eines Becherkontigents zusammenschließen? Für die Kicker unter den Sportlern gibt es sogar Anreize: In seinem Umwelt-Cup, einem Wettbewerb für Fußballvereine, belohnt der DFB den Einsatz von Mehrweggeschirr.

Selbst wenn es Bedenken gibt, die Becher an der Strecke einzusetzen – im Zielbereich scheint die Nutzung gänzlich unproblematisch. Beim Münchner Stadtlauf zum Beispiel kann man sich nach getaner Tat aus Mehrwegbechern erfrischen. Auch das spart bereits eine Menge Abfall.

Im Jahr 2010 fielen beim Berlin Marathon 40 Tonnen Müll an. Umgerechnet auf die Teilnehmerzahl bedeutet das eine Abfallmenge von mehr als einem Kilo pro Läufer.

Der Abfall wurde ungetrennt verbrannt.

Titelfoto: © Otmar Smit – Fotolia.com

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