Auch Läufer müssen fahren.

E-Auto zum Mieten

Damit ist eigentlich schon alles gesagt, warum es hier die Rubrik “Mobilität” gibt. Läufer müssen nicht nur zur Arbeit, zum Einkaufen und all diesen Dingen, sie müssen auch zum Volkslauf. Zum Start der abgelegenen Strecke. Zum Training mit dem Verein oder Lauftreff. Nicht einmal der eifrigste Läufer schafft jede Strecke zu Fuß. Viele Läufer fahren auch gern Rad. Sie sind eben ein bisschen wetterfester als andere und Bewegung mögen sie ohnehin. Auch ich gehöre zur Zweiradfraktion. Vielleicht ist mir deshalb dieses Plakat so ins Auge gesprungen.

Dass Sixt als Autovermieter Elektromobilität anbietet, ist nicht verwunderlich. Ohne kommt man nicht mehr aus, wenn man ein umweltfreundliches Image pflegen will. Warum E-Mobilität als besonders umweltfreundlich gilt, habe ich angesichts all der Schwierigkeiten, die mit der Energiewende verbunden sind, allerdings noch nicht verstanden. Es ist mir unbegreiflich, dass ich mit leichenartigem Teint im fahlen Schein meiner Energiesparlampe sitze, während Menschen auf Segways “umweltfreundliche” Sightseeing-Touren machen. Nun ja, vielleicht lassen sich diese Dinge von einer Läuferin mental nicht ausreichend durchdringen.

Was mich aber erstaunt, ist, wie Sixt sein E-Mobil hier an den Mann zu bringen versucht. Ganz sicher sind die genannten “Weltretter” nicht Zielgruppe des Ampera. Niemand, der aus Spaß und Überzeugung Fahrrad fährt, würde ernsthaft ein solches Auto vorziehen. Außerdem macht sich Sixt in gewohnt ironischer Weise über diese Herrschaften lustig, was mich zu der Annahme verleitet, dass Menschen angesprochen werden, die sich ihrerseits über Radfahrer lustig machen. Oder die sie hassen, weil “die doch alle keine Verkehrsregeln beachten und fahren wie die Rambos” (um mal das beliebteste Klischee zu verwenden). Also wären leidenschaftliche Autofahrer die Zielgruppe. Vielleicht würden die aus Neugier tatsächlich mal eine neue Technologie testen. Dafür ist es ja auch ein Mietauto. Ob das aber als Reiz ausreicht, um mit einer 1,7 Tonnen schweren, hässlichen Scherbel zu fahren, die nach 70 Kilometern auf Sprit umschaltet und dann doch wieder über 7 Liter (idealisierte Angabe) verbraucht? “Kompromisslose Elektromobilität” ist demnach, wenn man keine Angst haben muss, überhaupt anzukommen. Das klingt, als würde es doch noch ein bisschen mehr brauchen, um die Welt zu retten.

Wir sind nicht mehr auf dem Schulhof. Und der, der die Klappe am weitesten aufreißt, ist nicht immer der Coolste. So schön ironische und fröhliche Werbung sein kann, diese ist aus meiner Sicht ein beherzter Griff in die Keramik.

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