A wie “Aldi”.

Hammer Angebot

Es gibt viele Gründe, beim Discounter Laufkleidung zu kaufen. Der wichtigste ist, dass der angebotene Preis zum eigenen Haushaltsbudget passt. Darum soll es hier nicht gehen. Der zweite Grund ist, dass man nur wenig läuft oder gerade damit angefangen hat und sich eine kostspieligere Anschaffung (noch) nicht lohnt. Darum soll es hier auch nicht gehen.

Einer der häufigsten Gründe ist der Preis an sich. Er verführt dazu, ein Teil zu kaufen – nicht, weil man es toll findet, weil man es dringend braucht oder schon immer genau so etwas haben wollte. Gekauft wird es, weil es günstig ist. Angesichts des Preises wird ein möglicher Flop in Kauf genommen. Darum soll es hier gehen.

Dazu passt ein häufig dahingesagter Satz: “Für diesen Preis kann man nichts verkehrt machen.” Die Antwort darauf muss lauten: Doch. Man kann. Denn dem Satz liegt eine falsche Rechnung zu Grunde. Sie geht etwa so: Eine Markenlaufhose kostet 49,-. Die Hose vom Discounter kostet 9,95. Die Discounterhose muss also nur ein Viertel der Lebensdauer der Markenhose haben und hat sich schon gerechnet. Der Scheuklappenblick auf den Verkaufspreis bezieht keine anderen Faktoren mit ein. Wir wissen meist nicht, wie und unter welchen Umständen die Textilien gefertigt werden, weder bei der Markenware, noch bei den Billigstücken. (Bei einigen Herstellern weiß man allerdings sehr viel, doch davon soll an anderer Stelle noch die Rede sein). Eines ist jedoch sicher: Je günstiger das Stück ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ware weder aus ethischer noch aus ökologischer Sicht so gefertigt ist, wie wir uns das wünschen. Und noch etwas ist unumstößlich: Zur Fertigung von Funktionskleidung werden endliche Ressourcen verbraucht, auf die wir derzeit alle angewiesen sind. Wer ohne jede Rücksicht auf Langlebigkeit kauft, ignoriert, dass er mehr Kunststoff-Abfall produziert als nötig.

Auch Markenware kann schneller als gehofft ihren Dienst einstellen. Entscheidend ist aber, dass wir nicht damit rechnen. Bei Discounter Laufkleidung als “Och, das kann man mal mitnehmen”-Artikel nehmen wir in Kauf, dass die Passform nicht stimmt (wir können ja nicht anprobieren), dass Reißverschlüsse oder Material schnell verschleißen. Dass das Stück selten getragen wird und irgendwann als Fehlkauf ausgemustert wird. Aber das macht ja dann nichts. Dafür war das Teil eben billig.

Für alles, was wir kaufen, gilt: der Preis auf der Ware ist nur eine Zahl, ein Wert, der an der Kasse beglichen wird. Der wirkliche Preis steht nicht auf dem Etikett. Und den zahlt nicht nur der Käufer.

Titelbild: © THesIMPLIFY – Fotolia.com

1 Kommentar

  1. Hallo Frau Schmitt, ein sehr guter & ehrlicher Bericht, ich werde langsam Fan von Ihnen.

    Es hat zwar nichts mit Ihnen zu tun, dennoch: Ärgerlich, dass in der aktuellen (Dezember) Ausgabe der RUNNING WORLD dieser dumme Artikel von M. Krämer zu lesen ist, in dem dieser seine ignorante “alles egal, die anderen sind auch nicht besser, also kauft ruhig beim Discounter, wenn die Qualität stimmt” – Meinung zu Papier bringen darf. Schön das es Menschen wie Sie gibt, die noch ein Gewissen haben!

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