Die Elektroschrott-Falle.

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Laufen ist eine unmittelbare Angelegenheit. Ein Läufer, zwei Füße auf dem Boden, fertig. Kein kostspieliges Equipment wie beim Radfahren oder gar Motorsport. Was zählt, ist der Mensch, nicht die Technik. Der moderne Läufer kommt dennoch kaum noch ohne Gadgets aus – vom Pulsmessgerät über den mp3-Player und die GPS-Uhr – kleine Geräte müssen mit auf die Strecke. Das wäre aus Umweltsicht an sich noch nicht dramatisch, würden die verwendeten Technologien sich nicht rasend schnell verändern. Wer mit Musik läuft, nahm noch vor Kurzem gern einen mp3-Player mit. Smartphones bieten aber längst eine mindestens ebenso gute Möglichkeit, Musik zu speichern und mobil zu machen. Obendrein kann man damit Lauf-Apps nutzen und hat gleich eine Notrufmöglichkeit dabei, falls man in unwegsamen Gelände umknicken sollte und einen freundlichen Abholer braucht. So sind heute viele mp3-Player in den Schubladen verschwunden und werden nicht mehr genutzt.

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Pulsmessgeräte werden immer leichter und komfortabler, der Leistungsumfang immer größer. So wird ein „Einsteigergerät“ gern nach einem Jahr durch ein cooleres, besseres Teil ersetzt. Und die Hersteller von GPS-Uhren wetteifern fortlaufend um das innovativste Modell. Jede Uhr kann mehr als ihr Vorgänger, der Empfang wird immer schneller und zuverlässiger, die Modelle kleiner und schicker. Die Technologie steckt dabei noch immer in den Kinderschuhen, in zehn Jahren werden wir lachen über allen Ärger, den wir mit den ersten Uhren hatten. Und Ärger gibt es – manches Modell ist kaum mehr als ein „Beta“-Gerät, dessen Fehler erst mit der nächsten Generation wieder ausgebügelt werden. Die Branche der kleinen Läufer-Gadgets brodelt und für Technikliebhaber ist es schwer, sich dem Reiz innovativen Spielzeugs zu entziehen.

In der Folge werden ungeheuer viele solcher Geräte in immer kürzeren Abständen ausgemustert. Was sich nicht bewährt, fliegt raus. Wenn der Brustgurt immer wieder scheuert, verliert der Läufer die Lust am Pulsmessgerät. Wer sich im Triathlon versucht, braucht eine Uhr, die wasserdicht ist. Und Handys haben ohnehin eine bedrückend kurze Lebensdauer.

Sind Läufer Gadgets überhaupt Elektroschrott?

Viele denken beim Begriff Elektroschrott an Kühlschränke und Mikrowellen. Dabei wird unterschätzt, dass gerade Elektrokleingeräte den Berg an Schrott enorm wachsen lassen. In Deutschland wurden im Jahr 2012 23 Kilo Elektroschrott pro Kopf produziert. Der Verband der IT-Branche BITKOM berichtet von über 100 Millionen ausgemusterten Handys, die in Schubladen herumliegen – inklusive der wertvollen Ressourcen, die sie beinhalten, Edelmetalle wie Kupfer, Gold und Silber, die unter zum Teil zweifelhaften Bedingungen gewonnen wurden. Seit 2006 dürfen aus genau diesem Grund kleine Elektrogeräte nicht mehr im Restmüll landen – ihr Recycling lohnt. Selbst in Kopfhörern sind die Kupferkabel noch nützlich.

Quelle: BITKOM

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Und was jetzt?

Es ist nicht ganz einfach zu beantworten, wie Läufer aus der Elektroschrottfalle wieder heraus kommen. Verzicht wäre natürlich eine einfache Lösung. Aber wenn ein kleines Gerät Spaß macht und den Läufer obendrein motiviert, bei der Stange zu bleiben, ist das etwas Gutes. Es wäre seltsam, das zu verdammen.

Aber vielleicht helfen diese Tipps ein bisschen:

Geduld haben.

Einfach mal in Ruhe eine Gerätegeneration überspringen. Oder auch zwei. Es kommt IMMER ein besseres Gerät. Und das, was heute das Nonplusultra ist, ist morgen schon normal – und billiger. Es lohnt sich manchmal, einfach zu warten, auch wenn’s schwer fällt.

Verschenken und Weitergeben.

Wenn das alte Gerät noch funktionstüchtig ist, ist es zu schade für die Schublade. Vielleicht kann man jemand anderem damit eine Freude machen, dessen Geldbeutel dünner ist als der eigene? Die goldene Regel dafür wäre: Es wird kein neues Gerät gekauft, bevor der Verwendungszweck für das alte nicht gesichert ist.

Reparieren (lassen).

Zwar lässt sich High Tech kaum noch selbst reparieren, aber manchmal hilft ein Update. Oder die Tricks des technikverliebten Kollegen. Oder ein Ersatzteil vom Hersteller. Nicht immer ist alles aussichtslos.

Recyceln.

Wenn alles nichts mehr hilft, sollte das Gerät nicht in der Schublade bleiben. Elektrokleingeräte können in der Regel beim kommunalen Wertstoffhof abgegeben werden. Manchmal gibt es auch schon Sammelboxen bei Behörden oder Supermärkten. Und weil ich als Blogredakteurin für den ELECTRORETURN Blog der Deutschen Post arbeite, weiß ich, dass auch der Entsorgungsweg per Post prima funktioniert.

Und deshalb weiß ich auch, dass die Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung durch Metalle für Elektrogeräte ein dickes Problem ist. Wie immer gilt dabei: Der Einzelne kann die Welt nicht verändern. Aber immerhin nach bestem Wissen und Gewissen das Richtige tun.

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